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Hans Bodingbauer
11.02.2015
09:29

Jeden Tag treffen wir bis zu 20.000 Entscheidungen. Das schaffen wir nur, weil wir die meisten dieser Entscheidungen unbewusst bzw. aus Gewohnheit treffen. Nur so können wir tägliche Routinen ohne viel Anstrengung erledigen. Gewohnheiten sind also unbedingt notwendig, sie entlasten unser Gehirn und machen uns glücklich. Deshalb ändern wir sie auch nicht gerne. Aber was, wenn unsere Gewohnheiten nicht mehr zu den Anforderungen unseres Lebens passen?  

Greife ich jetzt zur Kaffeetasse oder etwas später? Stecke ich die Schlüssel in die linke oder die rechte Tasche? Ziehe ich zuerst den linken oder den rechten Schuh an? Jeder dieser Handlungen geht eine Entscheidung voraus, die wir aber weitgehend unbewusst treffen. Müssten wir jedes Mal wieder bewusst entscheiden, würde unser Gehirn sehr schnell kollabieren.

Gewohnheiten haben noch einen weiteren Vorteil: Sie geben uns ein Gefühl der Sicherheit, denn was wir aus Gewohnheit tun, machen wir in der Regel auch richtig. Und wenn wir etwas richtig machen, entsteht ein Wohlgefühl, weil unser Gehirn den Botenstoff Dopamin ausschüttet. Das führt dazu, dass wir die Handlungsweise oder das Denkmuster wiederholen bzw. beibehalten wollen.

Problematisch wird es, wenn unsere Gewohnheiten nicht mehr zu den Anforderungen unseres Lebens passen. Wenn wir zum Beispiel weiterhin täglich 4000 Kalorien aufnehmen, obwohl wir mit dem Leistungssport bereits aufgehört haben, oder wenn wir weiterhin Karteikarten schreiben, obwohl die Mitbewerber bereits voll-automatisierte Lagerhaltung einsetzen. Auch wenn wir für internationale Herausforderungen die Erfahrungen einsetzen, die wir als lokaler Anbieter gemacht haben, könnte unter Umständen das Wohlgefühl – zumindest in der Langzeitwirkung – ausbleiben.

Willenskraft für langfristige Wirkung einsetzen

Gewohnheiten zu ändern, erfordert viel Willenskraft. Davon haben wir allerdings täglich nur eine begrenzte Menge zur Verfügung. Willenskraft „sitzt“ im präfrontalen Cortex und funktioniert wie ein Muskel. Der Einsatz kostet viel Energie und die ist schnell verbraucht. (Was wir tun können, um unsere Willenskraft zu stärken, zeige ich in meinem nächsten Beitrag).

Wir können nun die begrenzte Menge Willenskraft dafür einsetzen, den vielen täglichen Ablenkungen zu widerstehen. Oder wir können es uns zur Gewohnheit machen, vor Beginn der Arbeit zu überlegen, was wir heute Wichtiges tun werden, damit wir unsere langfristigen Ziele erreichen. In dem Fall: Smartphone ausschalten, Outlook erst gar nicht hochfahren und das Wichtige erledigen.  

Langfristig wirkt Willenskraft dann, wenn wir sie dafür einsetzen, wertvolle und in unserem Leben wichtige Tätigkeiten zu Gewohnheiten zu machen. Haben wir das geschafft, sind diese Handlungen nicht mehr energieraubend, sondern spenden Wohlgefühl. Das gibt Energie oder anders gesagt: Erfolg erzeugt Erfolg.

In neue Bahnen lenken

Könnten wir nicht das regelmäßige Nachdenken über wertvolle und sinnvolle Gewohnheiten auch zu einer Gewohnheit machen? Welche würden uns persönlich bzw. unser Unternehmen voranbringen?

Wenn wir einmal festgelegt haben, was wir zu einer Gewohnheit machen wollen, können wir unsere Willenskraft gezielt einsetzen, um genau das zu erreichen. Schon nach wenigen Tagen werden wir feststellen, dass es immer einfacher wird: Es verbraucht immer weniger Willenskraft, das Wichtige zu tun. Nach rund drei Wochen regelmäßigen Tuns sind bereits neue Nervenzellen in unserem Gehirn gewachsen und haben die Nervenbahnen geschaffen, die aus einer kräftezehrenden Tätigkeiten eine leicht von der Hand gehende Gewohnheit gemacht haben.

Viel Spaß als produktives Gewohnheits-Tier.

 

Hans Bodingbauer ist Mitglied der Akademie für Neurowissenschaftliche Bildung (AFNB). Einzelne Textpassagen stammen aus Unterlagen der AFNB.

 

 

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