
Das Geheimnis der kenianischen Leichtigkeit
Der erfolgreichste kenianische Leichtathletik-Trainer war zu Gast bei run2gether.
7 Mal Gold, 6 Mal Silber und 4 Mal Bronze bei nur einer Weltmeisterschaft – das ist die Bilanz des erfolgreichsten kenianischen Leichtathletik-Trainers Peter Mathu Titi . Er sprach mit Andreas Pölzl, geschäftsführender Gesellschafter bei ICG und zugleich stellvertretender Obmann beim Sport- und Entwicklungshilfeprojekt run2gether, über die Hintergründe des Erfolgs der kenianischen Laufwunder.
Andreas Pölzl: Mathu, seit vielen Jahren begleitest Du die kenianische Nationalmannschaft bei internationalen Großereignissen, das 2. Mal warst Du nun als Cheftrainer in Südkorea dabei. Warum wird die kenianische Übermacht immer größer?
Peter Mathu Titi: Laufen ist Nationalsport ist Kenia. Die Topläufer sind die Helden der Nation.
Andreas Pölzl: So wie Schifahren in Österreich?
Peter Mathu Titi: Ja, wahrscheinlich. Bereits die Kleinen laufen mit großer Freude und Motivation jeden Tag, meistens in die Schule und zurück. Und begleiten dabei die Älteren ein kleines Stück bei deren Morgentraining. Das Trainingsumfeld mit Trainern und Betreuern ist in den letzten Jahren in Kenia deutlich professioneller geworden. Und dann ist Laufen natürlich auch eine Möglichkeit, das Überleben finanziell zu sichern.
Andreas Pölzl: Seit November 2010 bist Du auch Trainer des run2gether-Teams und verbringst viel Zeit im neu errichteten Laufcamp in Kiambogo (90 km westlich von Nairobi auf 2400m Höhe). Warum hast Du diese Herausforderung übernommen?
Peter Mathu Titi: Die Idee von Thomas Krejci (Anmerkung: Initiator und Obmann von run2gether) mit der Errichtung eines Laufcamps und der Betreuung eines jungen Teams hat mich wirklich überzeugt. Ein völlig neues Konzept in Kenia. Kein Manager, der sich auf Kosten der Athleten persönlich bereichert, alle engagieren sich ehrenamtlich. Jeder Cent kommt den LäuferInnen zu Gute. Talente, die sonst im kenianischen System keine Chance hätten (viele Läufer trainieren bei Militär oder Polizei), bekommen die Möglichkeit, ihr Leben und das ihrer Familien mit Laufen abzusichern. Vor allem gilt dies für Läufer und Läuferinnen aus ärmlichen, ländlichen Gegenden. Und nebenbei werden noch zusätzliche Kompetenzen in der Organisation von Laufcamps und in der Gästebetreuung erworben.
Andreas Pölzl: Welche Zielsetzungen verfolgst Du mit dem run2gether-Team?
Peter Mathu Titi: Die Zielsetzungen mit dem run2gether Team sind langfristig ausgerichtet. Derzeit zählen noch keine Platzierungen oder Zeiten, sondern das Sammeln von Wettkampferfahrung. Auch wenn viele im Team den Halbmarathon bereits in 61 oder 62 Minuten absolvieren. Der Graz-Marathon nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, da zukünftig auf einer schnellen Strecke in der steirischen Landeshauptstadt die Toptalente des Teams an internationale Spitzenzeiten herangeführt werden sollen. Und irgendwann werden dann die Medaillengewinner bei WM oder Olympia aus dem run2gether-Team kommen. Laufen ist mein Leben. Dafür lebe ich.
Die ICG unterstützt schon seit einigen Jahren das Projekt run2gether. Ziel des Projektes ist es, kenianischen Athleten, deren Familien und vielen laufbegeisterten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit und passenden Rahmenbedingungen zu schaffen, ihr Leben mit Hilfe des Laufsports zu meistern und zu finanzieren.
Datum
04.10.2011
